Ein Besuch im Star-Wars-Themenbereich ?Galaxy’s Edge“ in Disneyland

Ein Besuch im Star-Wars-Themenbereich ?Galaxy’s Edge“ in Disneyland

Wissen | Reportage

Disney hat seinen Parks in den USA eigene Bereiche rund um die Sternenkrieger-Saga spendiert. c’t hat sich angeschaut, ob sich der Besuch lohnt.

Bei meinem ersten Besuch des kalifornischen Disneylands vor etlichen -Jahren geh?rte ?Star Tours“ zu den Fahr-gesch?ften (englisch ?Rides“), die bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlie?en. Vermittelte es doch das Gefühl, an der Seite von C-3PO mit einem Transporter durchs Universum zu rasen, direkt hinein in eine Schlacht gegen das Imperium.

Star Tours gibt es immer noch. Doch ich bin zurück in Anaheim, um mir eine Erweiterung rund um die mittlerweile zu Disney geh?rende Marke Star Wars anzuschauen, die alles bisherige in den Schatten stellen soll: ?Galaxy’s Edge“, ein neuer Bereich in Disneyland und Disneys Hollywood Studios in Florida, in dem man den Planeten Batuu am Rand des Universums besucht.

Sturmtruppler ver-h?ren Besucher im neuen Star-Wars--Bereich von Disneyland. H?rt man ihnen l?nger zu, bemerkt man, dass die Akteure vorproduzierte Sprachaufnahmen abspielen, damit die Ansprachen wie im Film klingen.

Und so stehe ich nun in einem Raumhafen mit Geb?uden, die an Mos Eisley erinnern – als zwei Sturmtruppler an mich herantreten und eindringlich fragen, ob ich Mitglieder des Widerstands gesehen h?tte. Sp?ter treffe ich noch auf Kylo Ren und Ray aus dem Film ?Das Erwachen der Macht“, an dem sich Disney bei der Gestaltung der Anlage orientiert hat.

Der Blickfang von Galaxy’s Edge ist der Millennium Falke in Originalgr??e. Dahinter befindet sich der Eingang zum zugeh?rigen Fahrgesch?ft ?Millennium Falcon: Smugglers Run“. Die Wartezeit betr?gt schon am frühen Morgen über eine halbe Stunde. Vor dem Flug kann man sich im Falken umschauen und ein Erinnerungsfoto am bekannten Spielbrett machen – leider ohne holografische Figuren.

Der Hingucker von Galaxy’s Edge ist der originalgetreue Millennium Falke. Abends kann man in das beleuchtete, aber leider unbesetzte Cockpit des Falken schauen.

Smugglers Run ist ein Flugsimulator, bei dem man aus dem Fenster auf Monitore schaut, die die Umgebung fotorealistisch darstellen. So bekommt man wirklich das Gefühl, durchs Weltall zu fliegen, Hyperraumsprünge inklusive – zumal sich das Cockpit passend zur jeweiligen Szene bewegt und man bei jedem Treffer kr?ftig durchgeschüttelt wird.

Die Fahrg?ste müssen w?hrend des Fluges in Sechsergruppen gemeinsam eine Mission erfüllen, indem jeder zur rechten Zeit Kn?pfchen drückt beziehungsweise Joysticks bedient. Das macht richtig Spa?, auch wenn es in anderen US-Freizeitparks ?hnliche Rides gibt.

Lange war Smugglers Run das einzige Fahrgesch?ft im Galaxy’s Edge – was nicht zuletzt deshalb für Kritik sorgte, weil Disneyland die Eintrittspreise zur Er?ffnung des neuen Bereichs um bis zu 25 Prozent anhob. Je nach Wochen- beziehungsweise Ferientag zahlt man für ein Tagesticket nun zwischen 104 und 149 Dollar.

Besuch im Themenpark Galaxy's Edge

Das schlie?t zwar den Zugang zu allen Attraktionen von Disneyland ein, allerdings hat sich der Park seit meinem letzten Besuch sonst kaum ver?ndert.

Seit Mitte Januar gibt es mit ?Rise Of The Resistance“ endlich das lange angekündigte zweite Fahrgesch?ft in Galaxy’s Edge, am Versteck des Widerstandes etwas au?erhalb des Raumhafens. Hier f?hrt man, gejagt von Kylo Ren, zu acht in einem Wagen durch einen Sternenzerst?rer, um den herum gerade eine Weltraumschlacht tobt. Die Fahrt hat epische Ausma?e, die Besucher werden von einer Szene in die n?chste geschleudert.

In ?Rise Of The Resistance“ f?hrt man durch einen Sternenzerst?rer, in dessen Hangar AT-ATs in Originalgr??e stehen. (Bild:?Disney)

Dank Lichteffekten an W?nden und Decken hat man das Gefühl, die Sturmtruppler würden nur knapp an einem vorbeischie?en. Geschickt in Gegenst?nden integrierte randlose Displays sorgen wiederum für die perfekte Illusion, die Schüsse würden L?cher in Kisten oder den Fu? eines AT-AT brennen.

Auch darauf, dass man animierte Figuren schnell als Fake erkennt, hat Disney reagiert: Man blickt an mehreren Stellen auf Bildschirme, in denen nun Videos mit Darstellern ablaufen, die vor einem passenden Hintergrund aufgenommen wurden. Man guckt also beispielsweise gar nicht in ein Cockpit, sondern nur auf ein Video, das Piloten in einem Cockpit zeigt - nur, dass man das bei der rasanten Fahrt nicht so leicht merkt.

Damit setzt das Fahrgesch?ft selbst für Disney-Verh?ltnisse neue Ma?st?be – auch, weil die Wagen nicht wie üblich auf Schienen fahren. So erahnt man als Passagier den Streckenverlauf nicht so leicht, was die Spannung erh?ht. Zudem drehen sich die Wagen w?hrend der Fahrt immer wieder, wodurch man einen Rundumblick erh?lt. Das ist ein gro?er Fortschritt zu anderen Rides im Park.

Auch für Disney bringt die L?sung Vorteile: Rise Of The Resistance bietet gleich zwei verschiedene Fahrten mit leicht unterschiedlichen Routen und -Geschichten. Das schafft für Besucher den Anreiz, ein weiteres Mal zu fahren, um beide Alternativen zu erleben. Ein ?hnliches Konzept verfolgt Disney bei Smugglers Run: Hier teilt man die Passagiere in Piloten, Schützen und Ingenieure mit unterschiedlichen Aufgaben ein.

Im Unterschied zur Cantina in Mos Eisley gibt es auf Batuu keine Band, -sondern nur einen Roboter-DJ.

Gegen Mittag bin ich mit den Fahrgesch?ften durch. Für den aufkommenden Hunger und Durst gibt es in Galaxy’s Edge Restaurants und St?nde, die alle m?glichen Speisen anbieten. Disney strengt sich an, die Illusion einer au?erirdischen Welt auch an dieser Stelle nicht zu zerst?ren.

In Galaxy’s Edge gibt es zwar Softdrinks, allerdings nicht in schn?den Dosen, -sondern in Flaschen im Star-Wars-Design. Selbst die bekannte blaue Milch kann man im Park probieren.

Für alle, die es eine Nummer gr??er wollen, gibt es eine Cantina, in der rauchende Cocktails serviert werden. Als Paar oder in Gruppen kann man einen Spontanbesuch aber vergessen; ohne vorherige Reservierung über die Disneyland-App l?uft nichts.

Frisch gest?rkt geht es für mich zum ?Droid Depot“. Hier kann man nicht nur Modelle von R2-D2 und BB-8 kaufen, sondern Roboter der beiden Serien selbst zusammenbauen. Beide kommen mit einer Funk-Fernbedienung und k?nnen zus?tzlich zu Fahrman?vern den Kopf drehen und Laute von sich geben. Ist man mit dem Standard-Fiepsen nicht zufrieden, kann man in die Roboter ein Modul mit alternativen Sounds stecken. Acht dieser ?Personality Chips“ stehen zur Auswahl, für rund 15 Dollar das Stück. An das R-Modell kann man zudem Plastik-Kanonen montieren, die auf Knopfdruck ?feuern“ (es leuchten die eingebauten roten LEDs auf).

Schwere Entscheidung: Der rund 30 Zentimeter hohe Roboter der R-Serie besteht aus fünf, der der BB-Serie aus vier Teilen (jeweils plus Fernbedienung und Verzierungen), die man sich vom Flie?band zusammensucht.

Ich kann nicht widerstehen und entscheide mich für ein R-Modell. Der Zusammenbau ist einfach, letztlich steckt man nur einige Teile zusammen und zieht Schrauben an. Trotzdem macht es Spa? und schafft eine Beziehung zum Roboter. Die wird noch einmal verst?rkt, wenn man am Ende einen Aktivierungsknopf drückt, um ihn zum Leben zu erwecken. Disney verkauft nun mal Emotionen – in diesem Fall für 100 Dollar das Stück.

Witziges Detail: Mein Roboter kommt eingeschaltet in einen Tragekarton und fiepst und blinkt fortan jedesmals los, wenn ich an einem anderen Besucher mit Roboter vorbeikomme oder einen Laden in Galaxy's Edge betrete. M?glich machen dies einerseits in den Robotern eingebaute Bluetooth-LE-Empf?nger, andererseits Beacons in Robotern und Geb?uden.

In ?Savi’s Workshop“ nebenan treibt Disney das Mitmach-Konzept noch weiter – sowohl bei der Umsetzung als auch beim Preis. Hier baut man in der Gruppe unter Anleitung aus mehreren Komponenten ein Lichtschwert nach eigenem Geschmack, das am Ende in einer feierlichen Zeremonie aktiviert wird.

Edle Waffen: Bei Dok-Ondar gibt es exklusive Replikas der bekanntesten Lichtschwerter. Ein Exemplar kostet inklusive Steuern ab circa 150 Dollar, für den Leuchtstab muss man noch einmal 50 Dollar anlegen

Der Spa? kostet satte 215 Dollar. Dafür sind die Laserschwerter wesentlich wertiger als die üblichen Plastikmodelle: Sie haben Griffe aus Metall, erzeugen dank integriertem Soundchip film?hnliche -Ger?usche und bieten dank LED-Leiste -beeindruckende Lichteffekte einer ein- und ausfahrenden Klinge. Und so stehen w?hrend meines Besuchs die ganze Zeit Fans vor Savi’s Workshop Schlange. Ohne vorherige Reservierung l?uft auch hier nichts.

Alternativ bekommt man im ?Dok-Ondar’s Den of Antiquities“, dem Souvenirladen von Galaxy’s Edge, unter anderem Replikas berühmte Lichtschwerter , die man nicht selbst nach-bauen kann. Ich entscheide mich für das Modell von Kylo Ren mit drei Klingen und einem Preis von ebenfalls 215 Dollar.

Am Abend kehre ich noch einmal in Galaxy’s Edge zurück und erlebe, wie zahlreiche Neu-Jedis mit ihren Schwertern für ein Foto vor dem Millennium Falcon posieren und sich Scheink?mpfe liefern. Die gute Laune steckt an – und auch ich duelliere mich am Ende in der Dunkelheit mit wildfremden Menschen.

Alles in allem hatte ich einen Riesenspa?. Dennoch bleibt ein etwas bitterer Nachgeschmack. Denn einerseits ist Galaxy’s Edge für den in die Jahre gekommenen Freizeitparkt eine echte Bereicherung. Die beiden Rides sind super, der Besuch der Cantina und die Verkostung von blauer Milch macht Laune. Andererseits ist das alleine nicht tagfüllend. Will man jedoch alle Aktivit?ten voll auskosten, brennt das ein tiefes Loch ins Portemonnaie – nachdem man bereits den satten Eintrittspreis gezahlt hat, der aber bei Galaxy’s Edge eben nicht alle Aktivit?ten abdeckt.

Disney hat für Galaxy's Edge eine Fl?che von rund 56.500 Quadratmetern bebaut. (Bild:?Disney)

Ohne Moos ist in Galaxy’s Edge sprichw?rtlich recht wenig los. An einigen Stellen gibt es zwar animierte Figuren. Sie spulen aber immer wieder ein und dasselbe Programm ab und interagieren nicht mit den Besuchern. Das ist in Zeiten von Sprachassistenten, Gesichtserkennung und künstlicher Intelligenz mager.

Teilweise hatte ich sogar das Gefühl, durch ein Freiluftmuseum zu laufen. So kann man etwa eine Werkstatt mit einem scheinbar schwebenden Landspeeder bewundern, die Szenerie ist aber leblos. Am Versteck des Widerstands stehen nur zwei Raumschiffe herum.

Galaxy’s Edge würde schon ?authentischer“ wirken, wenn Roboter durch die Stra?en fahren würden – wie es auf ersten Designskizzen von Galaxy’s Edge zu sehen war. Disney erkl?rte jedoch bereits, dass es dazu in naher Zukunft nicht kommen wird. Der Konzern soll aber schon wieder eine Preiserh?hung planen. (nij)


Dieser Artikel stammt aus c't 4/2020.

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