Britische Forscher wollen Hunde auf Erkennung von Covid-19 trainieren

Mit ihrem feinen Geruchssinn k?nnen Hunde nicht nur Leckereien erschnüffeln, sondern auch Krankheiten. Bald k?nnten sie als Coronavirus-Kontrolleure dienen.

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Der Hund, Dein Freund und Corona-Detektor?

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

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Der beste Freund des Menschen kann auch noch ziemlich nützlich sein: Dank ihres feinen Geruchssinns sind Hunde in der Lage, verschiedenste Gerüche aufzuspüren, die Menschen zum Teil nicht einmal wahrnehmen. Von dieser F?higkeit wird schon lange bei der Drogen-Fahndung Gebrauch gemacht, zunehmend aber auch in der Medizin – so k?nnen Hunde verschiedene Krebsarten mittlerweile ebenso mit der Nase identifizieren wie Malaria-Infektionen. Und britische Forscher wollen die Tiere jetzt darauf trainieren, schnell und effizient auch das neuartige Coronavirus zu erkennen, das die Welt in eine Krise gestürzt hat.

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"Hunde k?nnten sich dem Kampf gegen Covid-19 anschlie?en", meldete Ende M?rz die London School of Hygiene and Tropical Medicine (LSHTM). Zusammen mit der Organisation Medical Dogs und der Durham University seien ihre Forscher der Meinung, dass Hunde dazu beitragen k?nnten, in gro?em Ma?stab Tests auf das Virus vorzunehmen. Die Vorbereitungen für das Training der Tiere h?tten schon begonnen, und in sechs Wochen k?nnten sie bereit für Praxis-Eins?tze sein.

Ihre Zuversicht beziehen die LSHTM-Forscher aus früheren Studien: "Unsere bisherige Arbeit hat gezeigt, dass Hunde mit extrem hoher Genauigkeit Gerüche von Menschen mit einer Malaria-Infektion erkennen k?nnen", zitiert die Universit?t Professor James Logan, den Leiter der Abteilung für Seuchenbek?mpfung. Die Erkennungsrate liege sogar über den Diagnose-Standards der Weltgesundheitsorganisation.

Bekannt ist, wie Logan Technology Review online auf Anfrage erkl?rte, dass auch andere Atemwegserkrankungen einen spezifischen Geruch haben. Auch für Covid-19 sei das deshalb wahrscheinlich, was aber jetzt erst einmal überprüft werden müsse. Wenn das gekl?rt ist, werden die Hunde – laut Logan stehen sechs davon schon bereit – mit diesem Geruch konfrontiert. Dabei sollen sie keinen direkten Kontakt mit dem Virus oder seinen Tr?gern bekommen, sondern nur mit Kleidung, in der es konzentriert ist. Die Schule verfüge bereits über eine Methode, den Erreger zu deaktivieren, um einen sicheren Umgang mit den Proben zu gew?hrleisten.

Testmethoden aller Art spielen eine bedeutende Rolle für den Umgang mit der Pandemie, die seit M?rz die westliche Welt in gro?en Teilen lahmgelegt hat. Zum einen l?sst sich damit sicher herausfinden, welcher Erkrankte tats?chlich mit dem Coronavirus infiziert ist, zum anderen bieten Massentest die Chance, mehr über Ansteckungs- und Sterblichkeitsraten zu erfahren. Auch bei klassisch-chemischen (und gentechnischen) Corona-Tests sind Aktivit?t und Bedarf deshalb derzeit hoch.

Hunde aber k?nnten eine wichtige Erg?nzung sein, hoffen Logan und seine Mitstreiter. Schon heute würden die Tiere in vielen L?ndern der Welt für unterschiedliche medizinische Diagnosen eingesetzt, wofür sowohl ihr Geruchssinn eine Rolle spielt als auch ihre Lernf?higkeit und -bereitschaft, sagt der Professor.

Sobald gekl?rt sei, ob Covid-19 wie erwartet für einen spezifischen Geruch sorgt (die Tiere riechen nicht das Coronavirus oder andere Erreger selbst, sondern durch sie ausgel?ste Ver?nderungen), k?nne die Trainingsphase beginnen, berichtet Logan weiter. Wie bei Drogen werden die Hunde mit üben und Verst?rken durch Belohnungen auf den gesuchten Duft abgerichtet. Dies werde wohl nicht mehr als vier bis sechs Wochen in Anspruch nehmen, sagt Logan – und dann seien die Corona-Suchhunde im Prinzip schon bereit für den Praxiseinsatz.

Dabei wird es auf die Korrektheit der Hunde-Signale ankommen. über die Rate der falschen Positiv- oder Negativ-Meldungen k?nne er noch nichts sagen, berichtet Logan. Sie spiele aber eine wichtige Rolle und werde beachtet. Bei einer Studie Ende 2018 etwa erkannten Hunde der jetzt ebenfalls beteiligten Organisation Medical Detection anhand von getragenen Nylonsocken nur etwa 70 Prozent der vorhandenen Malaria-Infektionen bei Kindern aus Gambia; zu immerhin 90 Prozent gaben sie aber keinen falschen Alarm.

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Vor diesem Hintergrund hat Logan eher Massen-Screenings im Sinn als hochpr?zise Tests für einzelne Patienten. Er gehe aber davon aus, dass die Duft-Erkennung vor allem in sp?teren Phasen einen Beitrag zur besseren Handhabung der Corona-Pandemie leisten werde. Ein einziger Hund k?nne pro Stunde 250 Personen überprüfen, was die Methode insbesondere an wichtigen Zugangspunkten in ein Land oder an gro?en ?ffentlichen Orten effizient mache. Und sie funktioniert kontaktlos und im Zweifelsfall auch ohne Mitwirkung der Betroffenen.

Dass die Anwesenheit der Kontroll-Tiere Menschen ver?ngstigen k?nnte, fürchtet Logan nach eigenem Bekunden nicht: "Hunde sind heutzutage an Flugh?fen ganz normal, also dürfte das kein gro?es Problem sein."

(sma)

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