Medikament gegen Covid-19: Remdesivir macht Hoffnung

Laut einer Studie der amerikanischen Regierung genesen Corona-Patienten etwa 30 Prozent schneller, wenn sie das antivirale Medikament erhalten

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(Bild: RossHelen / Shutterstock.com)

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Gute Nachrichten aus den USA: Erstmals scheint es Hoffnung auf ein Medikament zu geben, das Covid-19 zumindest abmildern k?nnte. Anthony Fauci, oberster Corona-Bek?mpfer der amerikanischen Regierung und Chef des National Institute of Allergy and Infectious Diseases (NIAID), teilte mit, dass Covid-19-Patienten, die das antivirale Medikament Remdesivir verabreicht bekommen haben, um 31 Prozent schneller genesen – durchschnittlich nach 11 anstelle von 15 Tagen. Zu diesem Ergebnis kam das NIAID in einer placebokontrollierten Studie.

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"Auch wenn es nicht danach aussieht, dass das Virus damit zu 100 Prozent erledigt werden kann, handelt es sich bei diesem Ergebnis um einen sehr wichtigen Proof of Concept. Er zeigt, dass ein Medikament in der Lage sein kann, den Virus zu hemmen", sagte Fauci im Oval Office in Anwesenheit von Pr?sident Trump.

Die demonstrierte Wirksamkeit von Remdesivir gegen das Coronavirus ist ein Schritt aus der gesundheitlichen und wirtschaftlichen Krise, die von der Pandemie ausgel?st wurde – und macht Hoffnung auf weitere. Im Sp?tsommer k?nnten Therapien erh?ltlich sein, die das Virus mit Antik?rpern bek?mpfen. M?glicherweise folgen schon einige Monate sp?ter Impfungen.

Scott Gottlieb, ehemaliger Commissioner der Medizinbeh?rde FDA, sagte gegenüber dem US-Sender CNBC, dass Remdesivir Teil eines "robusten Werkzeugkasten" gegen die Pandemie werden k?nne. Zusammen mit verbesserten Testverfahren k?nne das allgemeine Risiko minimiert und der Bev?lkerung die Angst genommen werden, mit dem Coronavirus in eine bodenlose Abw?rtsspirale zu gleiten. "Ich denke, dass uns die aktuellen Fortschritte für den Herbst in eine ganz andere Position bringen", sagte Gottlieb. "Gewisserma?en werden wir damit wieder in ein scheinbar normales Leben zurückzukehren k?nnen, auch wenn Covid uns weiterhin im Hintergrund besch?ftigen wird."

Remdesivir wird von Gilead Sciences hergestellt, einem Biotech-Unternehmen mit Sitz in Foster City, Kalifornien, zu dessen früheren Erfolgen ein bahnbrechendes Heilmittel für Hepatitis-C geh?rt. Noch sind die genauen Daten der klinischen Studie nicht ver?ffentlicht. Eine Untersuchung aus China meldet unterdessen keinen Nutzen des Medikaments zumindest für schwere Krankheitsverl?ufe. Sollten die neuen, vielversprechenden Ergebnisse jedoch Bestand haben, k?nnte Remdesivir schnell zum Mittel der Wahl werden bei der Behandlung von Covid-19. Eine Notfallgenehmigung durch die FDA ist wahrscheinlich, auch, dass Gilead dann in Massenproduktion gehen wird.

In seinen Ausführungen verglich Fauci dieses frühe Ergebnis mit der Einführung von AZT, eines der ersten Medikamente, das sich als bescheiden erfolgreich gegenüber dem AIDS-ausl?senden HI-Virus erwiesen hatte. Nach AZT, erkl?rte Fauci, seien immer effektivere Mittel erh?ltlich geworden. Neben der Verkürzung der Genesungszeit gibt es auch Hinweise darauf, dass Remdesivir die Letalit?t von Covid-19 verringert – doch die Datenlage ist noch nicht eindeutig. Die Todesrate der Patienten, die das Medikament erhielten, lag bei 8 Prozent im Vergleich zu 11,6 Prozent bei denen, die es nicht bekamen. In jedem Fall verdeutlichen diese Zahlen einmal mehr, wie schnell das Virus t?dlich verlaufen kann, sobald schwere Atembeschwerden eine Klinikaufnahme notwendig machen.

Bei der NIAID-Studie, die am 21. Februar begann, erhielt die H?lfte der Versuchspatienten Gileads Remdesivir, die andere ein Placebo-Mittel. Der erste Patient, der an der Studie teilnahm, war ein Amerikaner, der sich mit dem Virus auf dem Kreuzfahrtschiff Diamond Princess angesteckt hatte und im Universit?tsklinikum der University of Nebraska behandelt wurde. Insgesamt haben etwa 1000 Patienten an der Studie teilgenommen, unter anderem in den USA, Deutschland, Spanien, Griechenland und im Vereinigten K?nigreich.

Remdesivir darf deshalb so schnell an Covid-19-Patienten getestet werden, weil es sich um ein umfunktioniertes Medikament ("repurposed drug") handelt – es wurde also für andere Zwecke bereits untersucht. Frühere Laborexperimente demonstrierten, dass Remdesivir das SARS-Virus im Labor hemmen konnte. Auch wurde es an Ebola-Patienten getestet. Das Medikament behindert ein Molekül, das RNA-Viren ben?tigen, um sich zu vermehren.

Am 4. April verkündete der CEO von Gilead, Daniel O'Day, dass das Unternehmen genug Medikamente zur Hand h?tte, um 140.000 Menschen behandeln zu k?nnen und dass das Mittel im Rahmen von klinischen Studien den Patienten "kostenfrei" angeboten werde. An dieser Stelle ergeben sich gewichtige Fragen, beispielsweise zu der Gew?hrleistung einer gerechten Verteilung des begrenzt verfügbaren Medikaments und zu seinem sp?teren Verkaufspreis. Eine hitzige Debatte über Verfügbarkeitsfragen, einschlie?lich der Exporte in andere L?nder, ist unausweichlich.

Die Herstellung von Remdesivir erfolgt etappenweise. Chemikalien werden in synthetischen Prozessen hinzugefügt – und das nimmt Monate in Anspruch.

Gilead hat angekündigt, die Produktion hochzufahren, um bis zum Jahresende bis zu einer Millionen Menschen mit dem Medikament versorgen zu k?nnen. Jedoch sind schon jetzt mehr als dreimal so viele F?lle weltweit best?tigt, und mindestens 224.000 Menschen sind an den Folgen einer Corona-Infektion verstorben.

Mehr Forschung ist notwendig, um die optimale Dosis zur Behandlung von Covid-19 zu ermitteln und in Erfahrung zu bringen, welche Patientengruppen am meisten davon profitieren k?nnen. Einige Stimmen aus der Wissenschaft schlossen sich bereits zusammen und ver?ffentlichten diese Woche ein White Paper, in dem sie die US Regierung dazu auffordern, mehreren Unternehmen die Herstellung von Remdesivir zu genehmigen und Ma?nahmen in die Wege zu leiten, damit bereits bestehende pharmazeutische Fabriken zur schnellen Produktion genutzt werden k?nnen.

Die Gruppe von Forschern, zu der auch der Chemiker Stuart Schreiber von der Harvard University geh?rt, empfiehlt zudem, dass Remdesivir bereits bei ersten Symptomen hochdosiert verabreicht werden sollte. "Wir vermuten, dass die aktuelle Dosis sich an der begrenzten Verfügbarkeit orientiert. Wir fordern die Regierung dazu auf, an dieser Stelle Tatsachen zu schaffen, sodass die optimale Dosis für Studienzwecke ermittelt werden kann."

Gilead meldet gleichzeitig die Ergebnisse einer Studie, laut der es für die Wirkung von Remdesivir keinen Unterschied macht, ob es für 5 oder 10 Tage verabreicht wird. Eine kürzere Dauer der Medikamentengabe w?re eine M?glichkeit, den Vorrat zu rationieren.

(bsc)

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