Amazon-Chef warnt Aktion?re: "Setzen Sie sich!"

Die Corona-Pandemie beschert Amazon einen Umsatzsprung. Doch CEO Jeff Bezos gibt das Geld gleich wieder für Corona-Hilfen aus. Im 2. Quartal droht Verlust.

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Jeff Bezos: "Die beste Investition ist in Sicherheit und Wohlbefinden unserer hunderttausenden Mitarbeiter. Ich bin sicher, dass unsere langfristig orientierten Aktion?re (…) nichts Geringeres erwarten."

(Bild: Daniel AJ Sokolov)

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"Wenn Sie Amazon-Aktion?r sind, sollten Sie sich vielleicht hinsetzen", warnt Amazon-Chef Jeff Bezos in seinem Bericht über das erste Quartal, "Unter normalen Umst?nden würden wir im zweiten Quartal etwa vier Milliarden Dollar Betriebsgewinn machen, oder mehr. Aber das sind keine normalen Umst?nde. Wir erwarten, die gesamten vier Milliarden, und vielleicht etwas mehr, COVID-bezogen auszugeben." Schutzvorkehrungen, Lohnerh?hungen, zus?tzliche Mitarbeiter, bewusst geringere Effizienz, die Schaffung eigener Kapazit?ten für Corona-Tests, Spenden, kostenlose Dienste für kleine Unternehmen, und das Rauswerfen von Wucherern kosten in Summe Milliarden.

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Bereits jetzt hat Amazon nach eigenen Angaben über eine Million Artikel gel?scht, weil die Verk?ufer mit hohen Preisen von der Coronavirus-Krise profitieren wollten. Mehr als 10.000 Verk?ufer wurden überhaupt gesperrt. Aus den zun?chst angepeilten 100.000 zus?tzlichen Mitarbeitern sind inzwischen 175.000 geworden, und jetzt sollen es noch mehr werden. Nur die Lohnerh?hungen kosten bis Mitte Mai schon 700 Millionen US-Dollar.

Und wenn Amazon einkauft, kommt schnell etwas zusammen: Als Beispiel für Ma?nahmen zum Schutz der eigenen Belegschaft nennt das Unternehmen 100 Million Schutzmasken, 1.000 W?rmebildkameras und 31.000 Thermometer, die bereits beschafft wurden. Zur Unterstützung von US-Schülern hat der Konzern 12.200 Laptops gespendet. Hilfsorganisationen in Europa hat Amazon 21 Millionen Euro zukommen lassen. Und so weiter.

Zudem hat Bezos ein Team aus Amazon-Mitarbeitern zusammengestellt, das sich ganz darauf konzentriert, eigene Kapazit?ten für Corona-Tests zu schaffen. "Das Team errichtet sein erstes Labor und hat ein Pilotprojekt zur Untersuchung von (Kollegen mit Kundenkontakt) begonnen", erz?hlt Bezos, "Wir sind nicht sicher, wie weit wir damit in der relevanten Zeit kommen, aber ich glaube, dass es wert ist, es zu versuchen." In jedem Fall k?nnten aus dem Projekt Lehren gezogen werden.

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Amazons Warenumsatz ist im ersten Quartal um gut ein Fünftel auf 41,8 Milliarden US-Dollar, der Umsatz mit Dienstleistungen um fast ein Drittel auf 33,6 Milliarden US-Dollar gestiegen. Insgesamt ergibt das im Vergleich zu Amazons erstem Quartal 2019 einen Umsatzzuwachs von gut einem Viertel auf 75,5 Milliarden Dollar. Gleichzeitig sind allerdings die Betriebskosten um mehr als 29 Prozent auf 71,5 Milliarden gestiegen. Somit ist der Betriebsgewinn um fast ein Zehntel auf vier Milliarden Dollar geschrumpft. Der Reingewinn ist um 29 Prozent auf 2,5 Milliarden Dollar gefallen.

Und w?hrend die Amazon Web Services mehr Gewinn machen und die übrigen Gesch?fte in Nordamerika immerhin noch deutlich profitabel sind, haben sich die Verluste im internationalen Gesch?ft von 90 Millionen Dollar vor einem Jahr auf nunmehr 398 Millionen Dollar vervielfacht. Zwar hat Amazons Geldspeicher in den ersten drei Monaten des Jahres einen Aderlass von mehr als 5,7 Milliarden Dollar hinnehmen müssen, doch ist er mit über 49 Milliarden Dollar immer noch gut gefüllt.

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Im Unterschied zu vielen anderen US-Konzernen wagt Amazon trotz Corona noch einen Ausblick auf das ordentliche Gesch?ft des laufendes Quartals. Die Ums?tze sollen um 18 bis 28 Prozent auf 75 bis 81 Milliarden Dollar steigen. Die COVID-19-bezogenen Ausgaben sind mit vier Milliarden Dollar budgetiert. Daraus soll sich ein Nullergebnis beim Betriebsgewinn ergeben, plus/minus eineinhalb Milliarden Dollar. Nachdem die Amazon-Aktie im Laufe des Donnerstag gut vier Prozent zugelegt hatte, sackte sie nach Bekanntgabe der Quartalszahlen im nachb?rslichen Handel rund fünf Prozent ab. (ds)

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