Forscher: Autobesitzer untersch?tzen die Gesamtkosten des Fahrzeugs

Autobesitzer untersch?tzen laut einer Studie die Gesamtkosten des Autobesitzes deutlich. Mehr Realismus k?nnte demnach andere Verkehrsmittel voranbringen.

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(Bild: Shutterstock/Ulf Wittrock)

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Autofahrer kennen die Kraftstoffkosten in der Regel genau, doch andere laufenden Ausgaben, die mit dem Besitz ihres Fahrzeugs verbunden sind, untersch?tzen sie. Das ist das Ergebnis der Studie einer internationalen Gruppe von Wissenschaftlern, die unter anderem am Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung RWI in Essen und der Yale University forschen. Ihr Fazit: Würden Verbraucher die Gesamtkosten kennen, k?nnten sie eher bereit sein, auf andere Verkehrsmittel umzusteigen.

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Bei ihrer Kaufentscheidung richten sich die Verbraucher nach ihrem Wohnort und den Vorab- und Lebensdauerkosten des Fahrzeugs, erl?utern die Wissenschaftler in ihrer Studie, die in der Fachzeitschrift Nature vorgestellt wurde. Untersch?tzen sie dabei die Gesamtkosten, erscheinen ihnen m?glicherweise Fahrzeuge mit alternativen Kraftstoffen oder andere Transportmittel wie Carsharing, ?ffentliche Verkehrsmittel und Radfahren weniger attraktiv.

Für die Untersuchung wurden zwischen April und Juni 2018 über 6000 Haushaltsvorst?nde in Deutschland befragt, ob sie die Gesamtkosten des Autobesitzes erfassen. Knapp 5500 der Befragten gaben ihre monatlichen Autokosten an. Diese Antworten wurden analysiert, wobei die Forscher sich in der Frage des Autotyps und Reiseverhaltens der Haushalte vor allem auf eine Datenbank des ADAC stützten. Auf dieser Grundlage berechneten sie die tats?chlichen monatlichen Durchschnittskosten für Abschreibungen, Kraftstoff, Steuern, Versicherungen und Reparaturen.

Dabei kommen die Wissenschaftler zu dem Ergebnis, dass die tats?chlichen Kosten fast doppelt so hoch sind, wie die Verbraucher annehmen. Bei Befragten, die tats?chlich Zahlen für alle Kostenfaktoren angaben, ist es etwas weniger: sie untersch?tzten die Kosten im Schnitt um 161 Euro, was nach Angaben der Forscher 35 Prozent der tats?chlichen Kosten entspricht.

Im Detail k?nnen die Autobesitzer sehr gut einsch?tzen, wie viel sie für Kraftstoffe ausgeben. Die anderen drei Hauptkosten des Autobesitzes, n?mlich Abschreibungen, Reparaturen, Steuern und Versicherungen untersch?tzen sie hingegen stark. Die Wissenschaftler weisen darauf hin, dass diese starke Fehleinsch?tzung seitens der Verbraucher bislang nicht systematisch erfasst wurde.

"Die Einbeziehung von Folgekosten ist schwierig, auch weil diese Kosten oft recht individuell sind", gibt Andreas L?schel, Professor am Lehrstuhl für Mikro?konomik der Universit?t Münster, gegenüber heise online zu bedenken. Die für die Analyse genutzte Datenbank des ADAC gebe aber "einen recht repr?sentativen Ausdruck für die Folgekosten".

Die Forscher postulieren darüber hinaus, dass bei Kenntnis der tats?chlichen Kosten des Autobesitzes bis zu 37 Prozent weniger Fahrzeuge auf den Stra?en sein k?nnten. Eine Reduzierung des Bestands um 17,6 Millionen Fahrzeuge k?nnte die Verkehrsemissionen um 23 Prozent senken. In dem Artikel in Nature erl?utern die Forscher aber nicht, wie sie zu dieser Sch?tzung kommen.

Auch folgern die Autoren der Studie, dass genauere Informationen über die Kosten des Fahrzeugbesitzes die Zahlungsbereitschaft der Befragten für ein Ticket für ?ffentliche Verkehrsmittel erh?hen k?nnte. Um die Kosten transparenter darzustellen, schlagen die Wissenschaftler neue Kennzeichnungsregeln vor, wie es sie für den Kauf von Immobilien und langlebigen Gütern wie Kühlschr?nken und Klimaanlagen gibt.

Die Emissionen von privaten Kraftfahrzeugen verursachen etwa 11 Prozent der weltweiten Kohlendioxidemissionen und stellen damit den gr??ten Anteil im Verkehrssektor dar. Auf diesen entfallen knapp ein Vierteil aller Emissionen. Benzin- und Dieselautos tragen überdies zu Luftverschmutzung, Verkehrsstaus und Unf?llen bei. "Es ist klar, dass diese Autos weitgehend von den Stra?en entfernt werden müssen, um eine nachhaltige Mobilit?t zu erreichen", bilanzieren die Autoren der Studie.

Diesen Weg gehen bereits viele Kommunen wie Oslo, wo die Anzahl der Parkpl?tze verringert und die Parkgebühren erh?ht wurden. New York City und Shenzhen elektrifizieren ihre Busflotten. Die Forscher weisen aber auch darauf hin, dass weltweit noch immer mehr als 99 Prozent der weltweit verkauften neuen Pkws auf fossile Brennstoffe angewiesen sind. Au?erdem sei der Fahrzeugbesitz in Europa zwischen 2000 und 2017 um 25 Prozent gestiegen. (vbr)

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