Homeoffice und Steuern: Was l?sst sich anrechnen?

Arbeitszimmer, Wlan, Technik: Ein Steuerexperte des Deutschen Steuerberaterverbands kl?rt über die M?glichkeiten auf.

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(Bild: Pheelings media / Shutterstock.com)

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Wolfgang Wawro ist Steuerexperte des Deutschen Steuerberaterverbands. heise online hat mit ihm über die Auswirkungen der Coronakrise gesprochen.

heise online: Was kann ein Arbeitnehmer im Homeoffice grunds?tzlich absetzen?

Wolfgang Wawro: Unter Homeoffice kann man ja auch eine Ecke in der Küche verstehen, wenn man seinen Laptop am Küchentisch aufklappt. Dann k?nnen Sie aber gar nichts absetzen. Denn eigentlich gelten auch jetzt die Grunds?tze für ein Arbeitszimmer.

Aber sie k?nnen ihre Technik geltend machen, also das, was Sie in der Küche für den Beruf benutzen. Die M?bel, die Sie benutzen, fallen raus, sofern Sie nicht in einem ordnungsgem??en Arbeitszimmer stehen.

Was ist ein solches Arbeitszimmer?

Wawro: Ein Arbeitszimmer wird nur anerkannt, wenn es nahezu ausschlie?lich der beruflichen Nutzung dient. Das Finanzamt l?sst zehn Prozent anderweitige Nutzung durchgehen. Wenn im Arbeitszimmer ein Bügelbrett steht, w?re das nicht sch?dlich, wenn Sie das Zimmer aber regelm??ig zum Bügeln benutzen, dann geht es schon wieder nicht mehr. Natürlich wei? das Finanzamt davon nicht unbedingt. Ein Schreibtisch im Wohnzimmer funktioniert nicht, da der Raum zu viel privat genutzt wird.

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Gibt es da Unterschiede nach Berufsgruppen? Für Freiberufler und Arbeitnehmer etwa?

Wawro: Nein, da gibt es keine Unterschiede. Es gilt für alle gleich. Und die Finanz?mter sind auch ziemlich streng.

Wenn ich die M?glichkeit dazu habe, w?re es also eventuell sinnvoll, ein Zimmer jetzt als Arbeitszimmer frei zu r?umen?

Wawro: Richtig, das w?re eine M?glichkeit. Man muss aber durchaus damit rechnen, dass das Finanzamt genaue Darlegungen einfordert bzw. auch gelegentlich kontrollieren kommt.

Wie ist es mit dem Absetzen von Wlan, Router, Handy und ?hnlichen Sachen? Gibt es jetzt vielleicht sogar neue M?glichkeiten durch die Situation?

Wawro: In diesem Punkt hat es bisher keine Ver?nderungen gegeben. Es gilt, was vor Corona auch galt. Es gibt sogar eine Auskunft vom Bayerischen Finanzministerium, die ganz klar darauf hinweist, die L?nder und damit Finanz?mter sind beim Besteuerungsverfahren an das Einkommensteuergesetz gebunden. Und in so fern ist ein Arbeitsplatz in einem Raum nicht steuerlich geltend zu machen. Die übrigen Werbungskosten (Arbeitsmittel), die pauschal abgesetzt werden k?nnen, sind es. Wenn sie beruflich ein Telefon nutzen, ist es v?llig unproblematisch, 20 Euro im Monat als Pauschale anerkennen zu lassen. Wenn sie mehr haben wollen, muss das gut nachgewiesen oder glaubhaft gemacht werden.

Gibt es Pl?ne für Ausnahmeregelungen?

Wawro: Ich kann mir das vorstellen. Mir ist bekannt, dass der Bundesverband der Lohnsteuerhilfen-Vereine und der Bund der Steuerzahler beim Bundesfinanzministerium intervenieren wollen. Da geht es um die Einführung einer Pauschale für Coronazeiten. Entschieden ist derzeit aber noch gar nichts.

Beim Einkommensteuergesetz k?nnen die L?nder auch nicht selbst verfügen, das muss aus Berlin entschieden werden.

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Andersrum kann ich zum Beispiel Fahrtkosten nicht mehr abrechnen, wenn ich im Homeoffice bin.

Wawro: Genau. Wenn sie nicht zur Arbeit fahren oder andere Arbeitswege haben, k?nnen sie auch kein Monatsticket absetzen – sofern sie nicht eine Jahresfahrkarte haben, da sind die Kosten ja weiter laufend.

Im Zweifel muss ich mir überlegen, ob ich mehr davon habe, das Arbeitszimmer abzusetzen oder wenn ich Fahrtkosten habe?

Wawro: Diese Rechnung kann man anstellen. Aber: Ein Arbeitszimmer muss beruflich notwendig sein, das w?re bei einer Wahl wohl nicht m?glich. Schlie?lich sind Fahrtkosten natürlich auch mit Zeit verbunden, w?hrend ein h?usliches Arbeitszimmer als Mittelpunkt der Arbeit keine Fahrzeit braucht.

Kann der Arbeitgeber den Arbeitnehmer unterstützen?

Wawro: Da ist zun?chst die Frage, ob sie von sich aus im Homeoffice geblieben sind oder ob sie angewiesen worden sind. Der Arbeitgeber kann es nicht verlangen, dass sie im Homeoffice arbeiten – es sei denn, es ist eine Epidemie im Haus ausgebrochen, dann greifen andere Strukturen, die arbeitgeberrechtlichen Fürsorgepflicht.

Die darauf folgende Frage ist, ob der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer dafür etwas zahlt, wenn er von Zuhause aus arbeitet. Der kann sich anlehnen an das Steuerrecht und sagen, 1200 Euro zahle ich für ein gesamtes Jahr im Homeoffice anteilig für das Arbeitszimmer. Dadurch kann der Arbeitnehmer dann aber dafür selbst nichts mehr von der Steuer absetzen, was mit der Arbeit zu tun hat. Der Arbeitgeber kann es wiederum als Betriebskosten absetzen. Die 100 Euro im Monat w?ren für Arbeitnehmer steuerfrei als Aufwandsersatz.

Welche Nachweise muss man erbringen, um selbst Arbeitsmittel abzusetzen?

Wawro: Abgesehen von den Pauschalen muss bei allen Mitteln der berufliche Nutzen nachgewiesen oder glaubhaft gemacht werden – wie das im Einzelfall ausschaut, ist abh?ngig von der jeweiligen Nutzung. Mit überzeugenden Argumenten kann man einiges beim Finanzamt durchsetzen.

Steuervorauszahlungen bei Selbstst?ndigen k?nnen eingestellt werden, wie geht das?

Wawro: Wie mir bekannt ist, sind die Finanz?mter da in allen Bundesl?ndern sehr gro?zügig. Wenn sie darlegen, dass Einkünfte ausbleiben, werden die Vorauszahlungen – sogar rückwirkend – sehr schnell auf Null herabgesetzt.

Das ist aber natürlich nur aufgeschoben.

Wawro: Im kommenden Jahr, wenn sie ihre Steuererkl?rung abgeben, wei? das Finanzamt, wie viel ein Unternehmer wirklich eingenommen hat, und entsprechend wird es dann berechnet.

Die Nothilfen für Selbstst?ndige, die es von Kommunen, L?ndern, vom Bund gibt, die müssen steuerlich auch angesetzt werden?

Wawro: Wenn sie da etwas bekommen, hilft das jetzt finanziell über die Runde, gilt aber als Betriebseinnahme und muss im n?chsten Jahr bei der Einkommensteuer bedacht werden.

Sind die Finanz?mter eigentlich auch im Homeoffice? Und kann das Auswirkungen auf die Bearbeitung haben?

Wawro: Homeoffice bei Finanzbeamten gibt es auch, aber nur eingeschr?nkt, weil sie nicht an die Steuerdaten, die Zentraldatenbank ran dürfen. Die Betriebsprüfer k?nnen von Zuhause aus arbeiten, also auch Vollziehungsbeamte etwa. Technisch müsste man sich ansonsten da ganz anders einrichten, was nicht vorgesehen ist und vom Zugriffsrecht her auch gar nicht m?glich.

Ein Tipp für Arbeitnehmer?

Wawro: Man bekommt ja eh eine 1000-Euro-Werbungskosten-Pauschale. Wenn man darüber kommen m?chte, muss man eben dafür sorgen, dass man die entsprechenden Aufwendungen auch hat und diese nachweisen kann.

(emw)

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