Zuckerberg: Coronakrise wird lange dauern – Musk: Faschismus!

Mark Zuckerberg überrascht in der Corona-Krise mit Verantwortungsbewusstsein und Weitblick. Elon Musk überrascht mit kleinem Gewinn und Horizont.

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(Bild: Miguel Alegre / Shutterstock.com)

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Unterschiedlicher h?tten die Milliard?re Elon Musk und Mark Zuckerberg kaum auf die Coronavirus-Pandemie reagieren k?nnen. Mittwochabend haben beide die Quartalszahlen ihrer Firmen Tesla respektive Facebook gegenüber Finanzanalysten er?rtert. W?hrend Zuckerberg die Verantwortung seiner eigenen Firma betonte, verl?ssliche Information und Gesundheitsma?nahmen zu unterstützen sowie den wirtschaftlichen Aufschwung anzukurbeln, wurde Musk ausf?llig. Er nutzte die Gelegenheit, um Bewegungseinschr?nkungen mit Kraftausdrücken zu bedenken.

Eine Analyse von Daniel AJ Sokolov

(Bild:?

Daniel AJ Sokolov

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Daniel AJ Sokolov schreibt seit 2002 für heise online, anfangs aus Wien. Seit 2012 versucht er als Nordamerika-Korrespondent von heise online, Kanadier und US-Amerikaner zu verstehen und ihr Wesen begreiflich zu machen.

"Ich bin weiterhin sehr besorgt, dass dieser Gesundheitsnotstand und dessen wirtschaftliche Auswirkungen l?nger andauern werden, als die Leute derzeit erwarten", stellte Zuckerberg seinen Ausführungen voran, "Und w?hrend die derzeitigen (Bewegungseinschr?nkungen) massive gesellschaftliche Kosten verursachen, fürchte ich, dass bestimmte Orte zu schnell wiederzuer?ffnen, bevor Infektionsraten auf ein sehr minimales Niveau gesunken sind, zukünftige (COVID-19-)Ausbrüche und schlimmere langfristige Resultate für Gesundheit und Wirtschaft fast garantieren."

Facebook konzentriere sich nun auf drei Bereiche: Erstens den Nutzern dabei zu helfen, miteinander in Verbindung zu bleiben, zweitens die ?ffentlichen Gesundheitsma?nahmen zu unterstützen und, drittens, an der wirtschaftlichen Erholung zu arbeiten, insbesondere zugunsten kleiner Unternehmen. "Der erste Schritt ist, Menschen zu verl?sslicher Gesundheitsinformation zu führen." Hinweise werden in jeder Facebook-App eingeblendet, mehr als zwei Milliarden Leute h?tten schon darauf geklickt.

Mark Zuckerberg auf dem Facebook Communities Summit 2019

(Bild:?Facebook)

"Gleich wichtig ist, die Verbreitung von Falschinformation zu beschr?nken", zeigte sich Zuckerberg gegenüber seiner früheren Einstellung zu unwahren Behauptungen auf Facebook gewandelt. Was direkt k?rpersch?dlich sei, wie etwa der "Rat", Wasser einzuatmen, werde gel?scht; ansonsten würden Warnhinweise eingeblendet. "Wir wissen, dass sie funktionieren. In 95 Prozent der F?lle, wenn jemand den Warnhinweis sieht, klickt er nicht weiter."

Zur Unterstützung der Gesundheitsbeh?rden erfasse Facebook gemeinsam mit der Carnegie Mellon Universit?t Userberichte über Symptome. "County für County erstellen wir eine Symptomkarte, bald weltweit, weil Symptome Vorl?ufer für Spitalsaufenthalte oder schwere Erkrankungen sind." So k?nnten sich Beh?rden besser vorbereiten und entscheiden, ob Beschr?nkungen aufzuheben oder zu versch?rfen seien. Parallel finanziere die von Facebook unabh?ngige Chan-Zuckerberg-Stiftung Reihentests, um Infektionsraten zu erheben.

Zwar werde Facebook etwas weniger Geld ausgeben, aber dennoch weiter investieren. "Ich glaube, es gibt ein Verantwortungsbewusstsein und die Pflicht, in die wirtschaftliche Erholung zu investieren, und Stabilit?t (…) zu gew?hren, wenn man dazu in der Lage ist", erkl?rte Zuckerberg, "Und wir sind in der glücklichen Lage, das zu tun." Beispielsweise werde Facebook zwar weniger neue Mitarbeiter einstellen als geplant, aber dieses Jahr immerhin noch 10.000 zus?tzliche Stellen schaffen.

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"Wir haben akzeptiert, dass unsere Profitmargen schrumpfen werden" – das aber nur kurzfristig. Langfristig müsse Facebook hohe Margen erwirtschaften. An seinem Gesch?ftsmodell der Werbefinanzierung rüttelt der Facebook-Chef ausdrücklich nicht, auch wenn die Einnahmen dabei mit der Makro?konomie schwanken. Kleinen Unternehmen eine Plattform für E-Commerce zu bieten sei sowohl Unterstützung für diese Firmen als auch eine Investition in eine gedeihliche Zukunft Facebooks.

Bereits in den letzten Wochen hat der Konzern mehrere Initiativen vorgestellt. Dazu geh?ren 100 Millionen US-Dollar (zum Teil in Gutscheinen für Facebook-Werbung) für kleine Unternehmen, die ihren Sitz in der N?he von Facebook-Büros haben; 100 Millionen Dollar Unterstützung für Journalismus; 25 Millionen Dollar Spenden zur Unterstützung von Gesundheitspersonal sowie bis zu 20 Millionen Dollar, mit denen der Konzern private Spenden Dritter an die WHO und die US-amerikanischen Centers for Disease Control (CDC) verdoppelt.

Elon Musk auf Teslas Aktion?rsversammlung 2015

(Bild:?Steve Jurvetson CC BY 2.0)

Elon Musk ist in der Corona-Pandemie durch bislang nicht eingel?ste Versprechen, unfundierte medizinische Behauptungen, Kritik an Bewegungseinschr?nkungen sowie den Versuch, Teslas US-Autofabrik entgegen beh?rdlicher Anordnungen weiterzubetreiben, aufgefallen. Einen letzte Woche genommenen Anlauf zur Wiederer?ffnung der kalifornischen Fabrik musste Tesla wieder aufgeben. Mittwochabend redete sich Musk in Teslas Telefonkonferenz mit Finanzanalysten in Rage.

"Gewaltsam Leute in ihren H?usern einzusperren, entgegen aller ihrer verfassungsm??igen Rechte, meiner Meinung nach, und die Freiheiten der Menschen auszul?schen, ist furchtbar und falsch", sagte Musk, "Das ist nicht, warum Leute nach Amerika gekommen sind oder dieses Land aufgebaut haben. What the fuck." Eigentlich hatte ein Bankier um einen Ausblick auf Teslas Liquidit?t gebeten.

Musk lie? ein kurzes "Entschuldigen Sie" folgen, um sogleich draufzulegen: "Skandal. Es ist ein Skandal. (Die Einschr?nkungen werden) gro?en Schaden verursachen." Tesla werde den Sturz überdauern, doch viele kleine Firmen würden nicht überleben, das Lebenswerk alter Leute werde zerst?rt. An dieser Stelle lie? es sich der Finanzanalyst nicht nehmen Musk den Ball noch einmal zuzuspielen: Was Musk Gesetzgebern auszurichten habe?

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Musk sprach zun?chst über Bedarf an Investition in US-Infrastruktur, die nicht mit China und Europa mithalten k?nne. Bald widmete er sich wieder den Bewegungseinschr?nkungen: "Ist es in Ordnung, die Rechte der Leute zu beschr?nken, wie es jetzt passiert? Ich glaube, die Leute werden sehr ver?rgert darüber sein, und sie sind sehr ver?rgert." Zwar solle niemand dazu gezwungen werden, sein Haus zu verlassen. "Aber zu sagen, dass sie ihr Haus nicht verlassen k?nnen, und dass sie festgenommen werden, wenn sie es tun, das ist faschistisch. Das ist nicht demokratisch. Das ist nicht Freiheit. Gebt den Leuten ihre gottverdammte Freiheit zurück."

Bei den meisten US-Konzernen würden solche Ausf?lle den Aufsichtsrat dazu verleiten, den CEO abzuberufen. Doch es ist nicht zuletzt der Glaube vieler Aktion?re an Musks Führungsgabe, der zu den ungeahnten Kursgewinnen geführt hat. Deshalb l?sst man dem Milliard?r auch solche Eskapaden durchgehen. (ds)

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