c't 10/2020
S. 172
Praxis
PS Classic als Universalkonsole
Epson

Schn?ppchenkonsole

Playstation Classic als Universal-Retrokonsole

Die 40 Euro günstige Mini-Spiel-konsole Playstation Classic l?sst sich kinderleicht zu einer Universal--Emulationskonsole machen. Das Tolle: Man muss dafür keine Software modifizieren, sondern nur einen USB-Stick einschieben.

Von Jan-Keno Janssen

Die Miniversion der Playstation 1, die Ende 2018 in den Handel kam, war für Sony kein Glückgriff: Die Kundschaft kritisierte sowohl die Auswahl der 20 vorinstallierten Spiele als auch die Emulation selbst. Nicht nur ruckelten einige Titel, obendrein hatte Sony die langsameren 50-Hertz-PAL-Versionen statt der flüssigeren 60-Hertz-US-Varianten ausgew?hlt. Wenige Handgriffe l?sen diese Probleme jedoch – und machen aus der ungeliebten Minikonsole obendrein noch ein taugliches Abspielger?t für etliche alte Spiele, zum Beispiel für Super Nintendo, Sega Megadrive, N64, Amiga oder C64.

Die Hardware der Playstation Classic ist leistungsstark: Als System-on-Chip kommt ein MediaTek MT8167A mit vier Kernen und 1,5 GHz zum Einsatz, gepaart mit PowerVR-GE8300-GPU und 1 GByte RAM. Das entspricht ungef?hr den Spezifikationen des ebenfalls für Retrospiel-Emulationen beliebten Raspberry Pi 3B. Was allerdings für die PS Classic spricht: Sie kostet zurzeit mit rund 40 Euro ungef?hr genauso viel wie die blanke Raspberry-Pi-Platine, bringt aber neben einem neckischen Geh?use im Playstation-1-Design zwei Original-Playstation-Controller plus HDMI-und USB-Kabel mit. Man muss also im Unterschied zum Raspi au?er einem USB-Stick nichts extra kaufen, um losdaddeln zu k?nnen.

USB-Stick einstecken genügt: Ohne weitere Modifikationen wird die Playstation Classic zur Universal-Retro--Konsole.

Davor, dass man die Playstation Classic beim Modifizieren versehentlich zum nutzlosen Stück Plastik macht, muss man keine Angst haben: Der im Folgenden beschriebene Hack funktioniert allein mit einem USB-Stick, den man in die USB-Buchse für den zweiten Controller steckt. Nimmt man den Stick aus der Konsole, verh?lt sie sich wieder wie ein komplett unmodifiziertes Modell.

Sparsame Sticks

Wir beschr?nken uns in diesem Artikel auf den sogenannten ?AutoBleem“-Hack. Wer nicht davor zurückschreckt, die interne Firmware zu modifizieren, kann stattdessen auch die ?Project Eris“-Software (ehemals BleemSync) verwenden. Gr??ter Vorteil dieses aufwendigeren Hacks ist die Unterstützung eines USB-OTG-Splitters, sodass man den USB-Stick mit der Software an der Micro-USB-Stromversorgungs-Buchse der Konsole anschlie?en kann – der Port für den zweiten Controller bleibt also frei.

Bei AutoBleem muss man hingegen darauf achten, einen kompatiblen USB-Stick zu verwenden: Der USB-Port für den zweiten Controller liefert nur 0,5 Watt, was gerade für neuere USB-3.0-Sticks zu wenig ist. Bei unseren Versuchen klappte es aber mit vielen ?lteren Sticks problemlos, zum Beispiel mit einem Sandisk Cruzer Blade (16 und 64 GByte).

Um loszulegen, muss man lediglich den Inhalt des AutoBleem-Zips (siehe ct.de/y16x) auf den USB-Stick kopieren. Der Stick sollte mit dem FAT32- (empfohlen) oder dem ext4-Dateisystem formatiert sein. Au?erdem muss der Datentr?ger den Namen ?SONY“ tragen.

Zus?tzliche ROM- und Disk-Images kopiert man einfach auf den Stick: Playstation-1-Spiele müssen ins Verzeichnis ?Games“, Dateien für andere Systeme ins Verzeichnis ?roms“. Will man beispielsweise Spiele fürs Sega Megadrive spielen, erstellt man in ?roms“ einen ?Megadrive“--Ordner und kopiert dorthin die gewünschten ROM-Dateien. Wer sich fragt, wo man diese auf legalem Wege bekommen kann: Für 11 Euro gibt es auf Steam das ?Sega Mega Drive and Genesis Classics“-Paket, das aus über 50 Spielen besteht. Nach der Installation des Spielepakets findet man die ROM-Dateien im Ordner ?Uncompressed ROMs“ und kann diese direkt auf den AutoBleem-USB-Stick kopieren. Für andere Systeme gestaltet sich die Suche nach legalen Quellen für ROMs schwieriger.

Das AutoBleem-Hauptmenü ?ffnet sich nach dem Einschalten mit einem Druck auf die Start-Taste. Das Menü zeigt eingangs nur Playstation-Titel, die Select-Taste holt die anderen emulierten Systeme auf den Schirm. Ins alternative Retro-Arch-Menü kommt man mit der Quadrat-Taste.

Summasummarum

Zusammen mit AutoBleem mausert sich die preisgünstige Playstation Classic zur leistungsstarken Universal-Retrokonsole – die dank des stilsicheren Geh?uses und der sehr guten Controller mindestens genauso viel Spa? macht wie ein Raspberry Pi mit der Emulatoren-Sammlung RetroPie. ([email protected])

AutoBleem-Download: ct.de/y16x

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